Gut, dass Tomte mir in meiner Winamp-Playlist begegneten. Ich glaube das Album rettet jetzt meine Stimmung. Was all die Monate funktioniert hat, muss jetzt auch klappen.
Es ist kurz vor Mitternacht und mein Hirn fühlt sich an, wie ausgekotzt. Hurra, kaum bin ich bei meiner Arbeit an einem Abschnitt angekommen, der nicht per se schon latentes Unbehagen auslöst, und dann stolper ich über ein paar unsaubere Exzerpte, ein, zwei unvollständige Quellenangaben und plötzlich bin ich wieder von all den Papieren umgeben und verliere den Überblick. Daneben noch der Schreck, binnen einer Woche noch die fehlenden Zeitschriftenartikel einzufordern, damit es überhaupt etwas zu drucken gibt, und schwupp! ist alles Chaos im Hirn.
Im Zimmer stapelt sich das Geschirr, gespült, trocken, aber nicht weggeräumt, Papiere an alles Ecken und Enden, wo sie im Laufe des Semesters sich gesammelt haben. Diese ganzen Thesenpapiere von Referaten, die nicht im Gedächtnis blieben, wenn die Handouts nicht wären. Denn die Referate, von desinteressierten Kommilitonen gehalten, die keine Ahnung vom Thema oder keinerlei Befähigung vor Menschen zu reden, haben. Referate, die das indifferente Grundrauschen des Studiums bilden, wenn man sich nicht an geistigen oder sprachlichen Untiefen stößt: „Ja hallo, ich erzähle euch dann mal was über...“
Klingt jetzt schrecklich altklug, aber das habe ich in den ersten Semestern besser gemacht. Was mich an der einen Referentin von gestern faszinierte war die Beobachtung, wie sie in mir Triebe wachruft. Nein, nicht, was der geneigte (?) Leser mir unterstellen mag. Es war das Raubtier, was sich regte. Diese apologetische Grundhaltung, dieser gehetzte Ton in der Stimme, dieser Klang des gehetzten, waidwunden Tiers. „Like a wounded gazelle on the serengeti“ wie Rob Paravonian so schön sagt. Man braucht nicht mal inhaltlich zuzuhören, allein der Ton und die Körpersprache lassen einen den Angstschweiss fast riechen, die Studentin zum Opfer reduzieren. Man braucht ihr nicht zuzuhören, man spürt einfach, dass sie ins Verderben rennt mit ihrem Referat. Menschen sind Raubtiere.
Thees Uhlmann singt, aber der Zauber greift nicht ganz. Dieses Gefühl des „alles wird irgendwie gut“ verdrängt nicht – wie gewünscht – das „alles Defektiv“.
Dieses Jahr fing so gut an, warum also die Unzufriedenheit? Es ist doch nichts, wie es sein sollte, das Wetter, die Luft, die durchs offene Fenster kommt, riecht nach Frühling, Aufbruch, nach meinem allerersten Sommersemester. Ein Geruch der Sehnsucht auslöst. Nach der Unbeschwertheit, diesem großen Aufbruch von Zuhause ins Leben, Freiheit!
Es ist wohl diese Sehnsucht, die – mit ein paar Dingen, die noch nicht abgeschlossen sind, mich in diese Unzufriedenheit stürzt. Ab ins Bett, morgen früh raus, Kaffee kochen, schreiben, organisieren, und ab Mittag noch einmal Uni und dann auf zu Freunden: Aufrichten lassen, Kraft tanken!
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