Montag, 16. Juli 2007

#25 – Bei der Arbeit I

Die Überschrift ist definitiv ironisch. Unter solchen Umständen kann man nun wirklich nicht arbeiten. Wenn ich vom Schreibtisch aufstehe um mir ein Glas Wasser zu holen, schwitze ich scheinbar mehr, als Wasser im Glas ist. Der Ventilator versucht sich an neuen Spitzenleistungen, Vorhänge sind vorgezogen und gelegentlich wird durchgelüftet. Dieses schwarze Flachdach mag mit seiner Kapazität zum Aufheizen im Winter effizient sein, aber im Sommer ist darunter die Hölle.

Gestern Nacht war ich so dämlich, bei offener Tür und offenem Fenster zu pennen. Jetzt habe ich in der übelsten Wüstenhitze Ohrenschmerzen. Absurd.

Ich bin nicht müde, nicht verkatert, nicht „geistig unfit“, aber ich vertippe mich mit einer Quote, dass man mich für einen Analphabeten halten könnte, gäbe es nicht die Rechtschreibkontrolle der Textverarbeitung. Noch drei Seiten Vorlesungsmitschrift, und dann lass ich es für heute sein. Das führt ja zu nix.

Samstag, 14. Juli 2007

#24 – Nachtgedanken III

Kurz vor Eins nachts. Wieder zuhause. Die Party war nett und die Rückfahrt recht rasant. Wie der Kollege sagte: Es ist Sommer, man kann nachts im Hemd nach Hause fahren. Und sobald ich alleine weiterfahre merke ich, dass der Professor recht hat. Was er theologisch begründet, wird mir ganz einfach beim Durchfahren des Wohnheimgeländes rein emotional klar: Das Dasein als Single ist defektiv, der Mensch erst in einer Paarbeziehung richtig Mensch.

Ist es die Luft, das Bier, oder die Begegnung vorgestern, die mich so fühlen lassen. Oder ist es meine alte Angst, etwas zu verpassen? Besser: Verpasst zu haben? Ich weiß nicht wieso, aber in der Retrospektive scheint mein Leben eine einzige verpasste Chance zu sein. Vielleicht bin ich gerade nicht in der Lage, dies angemessen beurteilen zu können. Vielleicht sind es auch nur die typischen, albernen, schwachsinnigen Illusionen, an denen diese meine Generation laboriert: Die Illusion, dass alle anderen viel mehr Spaß haben, viel mehr erleben, dass das eigene Leben minderwertig ist, man andauernd etwas verpasst. Mein Verstand sagt, es ist idiotisch, aber mein Bauch spricht: Es ist nicht gut, dass Du allein bist.

Schnitt: Mein Mitbewohner steht in der offenen Tür, sagt „Gute Nacht“ und auf einem Ohr läuft weiterhin Muff Potter „Die Guten“ und ich denke plötzlich an die kleine Stadt in Osthessen, aus der meine Ex-Ex (oder wie nennt man die Ex der vorletzten Beziehung?) kam. Ich sehe diesen Ort vor mir, einige Straßen. Vor allem die Landschaft, durch die wir ein-zwei Mal mit Fahrrädern fuhren.

Scheiße, ich werde sentimental. Ich weiß, woran diese Beziehung scheiterte, scheitern musste, aber ich kann mich dieses ersten Sommers der großen Liebe nicht entziehen. Urplötzlich zieht dieser Zauber durch das offene Fenster in mein Zimmer und zieht die große Sehnsucht mit sich: Noch mal so verliebt sein, so sorglos, schwerelos verliebt sein. Mit Haut und Haaren. Mein Verstand, den Bier und Müdigkeit zusammen nicht bezwingen sagt: Vergiss es, es ist vorbei: Dich hat der „Ernst des Lebens“. Du bist am Ende Deines Studiums, das Privileg der ersten Semester, dieser Freifahrtschein ist perdu! Mein Herz aber sagt: Ich will es dennoch nochmal, jetzt erst recht, bevor es wirklich zu spät ist.

Freitag, 13. Juli 2007

#23 – Skizze IV

Halb Vier nachmittags. Der Tag ist unbemerkt schon fast wieder gelaufen. Bin irgendwann aufgewacht, Zeitung gelesen, undefinierbare Kopfschmerzen seit gestern abend. Etwas am PC gespielt, mit den Mitbewohnern Kaffee getrunken, neuen gekocht, weiter Kaffee getrunken. Dieser Tag ist nicht zum Arbeiten gemacht. Ich habe keinen Kater, bin nicht übermüdet, bin nur irgendwie „in Watte gepackt“. Zugedröhnt vom „nicht wirklich wach werden“, Kaffee und Musik.

Ich weiß nicht, was mein Körper mir sagen will, falls er mir etwas mitzuteilen hat, aber irgendwas läuft nicht rund. Einige Nächte voller Schlafstörungen, Alpträume. Gestern war mein letzter Tag im Nebenfach. Ich muss nur noch eine Hausarbeit abgeben, aber ansonsten bin ich raus. Es fühlt sich so seltsam an. Nach all diesen Jahren werden es wohl meine letzten „normalen“ Semesterferien werden. Aus, vorbei. Wer weiß, wen ich noch wiedersehen werden, selbst wenn ich noch ein bis zwei Vorlesungen aus Interesse besuchen werde. Ist es Angst? Angst, weil das Ende dieses Lebens, wie ich es so kenne und in dem ich mich eingerichtet habe, unaufhaltsam näherrückt? Oder ist es einfach nur das Wetter? Oder sind es ganz andere Dinge, die in meinem Kopf umhergeistern, sich dem Zugriff meines Bewusstseins entziehen?

Ich hatte gehofft, nach den letzten Monaten „auf Achse“ runter zu kommen, etwas Ruhe zu finden, einen stabileren Alltag mit meiner Arbeit am Schreibtisch, etwas Stabilität in meinem Leben. War wohl nix...

Montag, 9. Juli 2007

#22 – SkizzeIII

Dieses Wetter macht einen verrückt: Regen-Sonne-Bedeckt-Sonne-Regen-Regen-Sonne-Regen. Mein Kreislauf eiert so vor sich hin, und bei allem Kaffee-Abusus, der mit der Hoffnung, sich dadurch irgendwie arbeitsfähig zu kriegen, dazukommt, ist nichts mehr zu reißen. Ich werde davon nicht wach im Hirn. Ich kann nur nicht mehr schlafen, kriege Schweißausbrüche und leichtes Zittern. Aber konzentriert denken kann ich nicht. Es ist hart, sich zu konzentrieren. Der Körper hat sich langsam daran gewöhnt, wieder ausreichend Schlaf zu bekommen und wieder regelmäßig im selben Bett zu liegen. Auch das Hirn läuft langsam wieder an. Langsam...

Gestern noch auf der Terrasse gesessen und mit viel Unlust für die heutige Klausur gelesen. (Lernen hieße, es wäre effektiver gewesen). Knapp einem Sonnenbrand entkommen und heute muss ich um 11h Licht machen, damit ich ordentlich lesen kann. Wenigstens klingt der Regen nach Sommer und nicht nach dem üblichen Herbst-Winter-Frühlingsgefissel. Wenn ich schon beim morgendlichen Zeitungslesen auf das Datum sehen muss, um mir klar zu machen, wo im Jahr wir uns gerade befinden, ist das ein Zeichen, dass es hinter dem Fenster nur indefinit grau-finster ist. Ich kann so nicht arbeiten, nicht lernen, nicht für diese Klausur, auf die ich keine Lust habe, bei der ich keinerlei Ambitionen habe, mehr als „4 gewinnt“ zu spielen. Das Thema war nett, solange wir im Seminar saßen und der Professor mit seiner Begeisterung für die Skurrilitäten, die darin zu entdecken sind, einen durch den frühen Abend zog. Aber die Vorstellung, dieses Panoptikum der seltsamen Projekte, spinnerten Autoren und naiven Deppen zu verinnerlichen, behagt mir nicht. Der Gedanke, die seriösen Theorien, Unternehmungen und Organisationen, denen der Reiz der Idiotie abgeht, in mein Hirn zu zwingen, ist mir noch weniger hold.

Ich kann so vielleicht arbeiten, aber ich will nicht. Ich werde neuen Kaffee kochen und weiter meine Karteikarten schreiben. Vielleicht lese ich sie ja ernsthaft in den Veranstaltungen vor der Klausur. Mal sehn. Wenn es nichts wird, wird eben eine Hausarbeit geschrieben...

#21 – Nachtgedanken II

Da sitze ich nun im „Gemeinschaftsraum“ unseres Wohnheimflures. 4 kleine Bier intus und einiges an Rum. Ich merke es, ich genieße es. Es ist weder ein Spieleabend mit Freunden noch irgend ein anderer von den „üblichen legitimen“ Gründen einen zu trinken. Wir sitzen hier zu zweit, und haben unseren Grund. Einfach dasitzen, trinken und das Gespräch seinen Weg finden lassen. Geschichten aus der Vergangenheit, Anekdoten aus dem laufenden Semester und was uns sonst noch so durch den Kopf geht. Wir sind jung (auch wenn die Semesterzahl einen manchmal alt fühlen lässt), also dürfen wir das. Ist zwar eine etwas dürftige Legitimation, aber besser jetzt, als in zehn Jahren. Noch können wir uns so etwas erlauben, der Ernst des Lebens hat uns noch nicht ganz im Griff, die Reue wird sich morgen in Grenzen halten. Wir sitzen hier zu zweit und versichern uns gegenseitig, betrunken zu sein. Morgen wird es uns nicht sonderlich gut gehen, aber das ist eben Teil des Plans.

Doch, das muss einfach sein. Uns geht es gut, und das ist, was heute Nacht zählt.