Montag, 8. Oktober 2007

#30 – Unterwegs IX

Ich kann anscheinend nicht anders. Kaum sitze ich im Zug und das Notebook steht aufgeklappt vor mir – und sei es auch nur, um Musik zu hören – lasse ich irgendwann das Buch, die Zeitung oder die Kopien sinken und meinen Gedanken freien Lauf. Eine gewisse Grundmüdigkeit scheint dabei zu helfen. Vielleicht ist es auch die Musik, die mich zumindest gelegentlich darin bestärkt. Mein Favorit (seit vorgestern) ist Teitur. Seine Musik ist ruhig, melancholisch, zieht mich aber nicht runter. Vielleicht genau das Richtige, wenn der Herbst kommt, selbst wenn man keine hat, die einen in den Arm nimmt dabei, die einem in den Armen liegt. Zart, romantisch klingen die Songs nach schweigendem an-einander-Kuscheln, wenn ein grauer Novemberregen aus dem dunklen Himmel fällt.

Aber völlig fasziniert stelle ich fest, dass dieses Szenario sich beiläufig vor meinem inneren Auge entspinnt, ich merke, was mir fehlt, aber der Schmerz bleibt aus.

Grau spannt sich der Himmel über die dunkel dahinströmende Weser. Es ist heute nicht richtig hell geworden, und es wird auch nicht aufklaren. Wetter, Stimmung, Musik: Alle Zeichen stehen auf Melancholie hoher Stufe. Doch der Sturm wird ausbleiben, Umsteigen, zum Quartier fahren, Kaffee trinken, Papierkram erledigen und dann ist eh Programm und keine Zeit zum Trübsal blasen.

Arbeit kann ablenken, muss aber nicht so sein. Meine Arbeit lässt mir zur Zeit zu viel Raum zum Nachdenken. Wie weit bin ich jetzt, wie weit wollte ich eigentlich sein und warum taucht jetzt plötzlich noch soviel Literatur zum Thema auf? Ich hatte mich so auf einen ruhigen Monat am Schreibtisch gefreut. Struktur im Tages- und Wochenablauf. Effizientes Vorankommen.

Doch wieder mehr Illusion als Realität. Andere Projekte, die mehr Zeit fressen, Termine – im Kalender klein und unschuldig aussehend – die wieder 2-3 Tage fressen. Sicher, manches wird sich davon auszahlen. Hier mögen sich Weichen stellen, Kontakte für die Zukunft geknüpft werden, doch gerät das bei aller Selbstkritik in den Hintergrund. Warum kann ich bei allen Freunden jede Chance, jeden Schritt zu einer beruflichen Zukunft sehen, begrüßen und mich darüber freuen, ohne solche positiven Nachrichten oder auch nur Optionen in meinem Leben ohne große Zweifel in meinem Leben zu akzeptieren?

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