„Ich leide an Versagensangst, / besonders, wenn ich dichte. / Die Angst, die machte mir bereits / manch' schönen Reim zuschanden.“ Unter dem Titel „Bekenntnis“ schrieb dies Robert Gernhardt. Ich wünschte, ich könnte ebenso locker-ironisch mit selbiger Empfindung umgehen. Was auch immer ich tue, ich habe Angst. Mal mehr, mal weniger; mal bewusst, mal sublim. Aber die Versagensangst steht morgens mit mir auf, und kommt abends mit ins Bett. Sei es die Seminararbeit, die ich mir einfach nicht zutraue, oder das Seminar, zu dem mir immer noch Referenten fehlen: Alle Projekte werden Angstgegner, sobald sie „öffentlich“ sind. Spreche ich einen Plan aus, wird er „real“, da anderen bekannt, so ersteht mit den Worten zugleich die Angst.
Und es ist ja nicht nur das „Berufliche“, es sind nicht nur diejenigen Projekte und Aufgaben, an denen die wirtschaftlich-berufliche Zukunft hängt. Auch im privatesten Sektor der eigenen Existenz fühlt sich die Angst pudelwohl: „Ist sie schön, hat sie n' Freund. / Ist er schön? Meistens auch. / Das ist Murphys Gesetz.“ singt Roger Cicero. Zeilen die einschlagen wie ein Blitz. Mit genau diesem Gedanken will ich mich nicht beschäftigen. Nicht alle Hoffnung fahren lassen, bevor der Korb kommt. Aber das Indiz ist schon längst bekannt. Und die leise, aber umso penetrantere Stimme im Kopf schrillt: „Alle tollen Frauen sind vergeben! Vergiss es einfach!“ Der Verstand kämpft, zieht die Logik aus der Reserve und schickt sie zum vergeblichen Sturmangriff: „Nicht jede tolle Frau ist vergeben. Und auch die Vergebenen müssen ja mal solo gewesen sein.“ Doch die Angst ist zäh, nicht unterzukriegen und spottet förmlich nur über die Versuche, sie zu bezwingen.
Mit dem Verstand ist ihr nicht bezukommen. Oder doch? Wenn die Arbeit erst abgegeben ist, das Seminar gelaufen, dann werde ich unumstößliche Beispiele haben, dass ich es kann. Doch bis dahin kann ich nicht daran glauben, ich kann es mir nur logisch herleiten. Der Weg vom Kopf zum Herzen ist der längste. Im Herz sitzt jedoch die Angst, verbarrikadiert und auf argumentative Belagerungen eingerichtet. Und wartet, geduldig, Tag für Tag meiner spottend. Auf Fehler, Scheitern, und vor allem auf den Korb, den zu bekommen ich doch rechne. Meine Freunde können mit aller Ehrlichkeit mir attestieren, dass ich kein hoffnungsloser Fall sei. Aber ich werde es erst glauben, wenn sie mich küsst, wenn ich neben ihr aufwache.
Doch bis dahin bin ich nicht alleine im Bett, meine Angst sitzt neben meinem Ohr und träufelt vor dem Einschlafen ihr Gift hinein und wartet morgens mit einem Grinsen auf mich.
Homo hominis lupus – manche brauchen nicht mal einen anderen Menschen dafür.
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